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MEINE BILDNERISCHE TÄTIGKEIT

Computer

 

Als Schüler

experimentierte ich unter dem Dach des Walram-Gymnasiums Menden im Sauerland mit fotografischen Verfremdungstechniken. Mich interessierte schon damals weniger die um scheinbare "Objektivität" bemühte Dokumentationsfunktion der Fotografie als vielmehr die Möglichkeit, die Dinge anders zu zeigen als sie üblicherweise gesehen werden - um neue Anreize für das Auge zu schaffen. Heute wird diese Einstellung unterfüttert durch meine Auseinandersetzung mit einem lernbiologisch begründeten (radikalen) Konstruktivismus.
 
Als Lehrer

an verschiedenen Grund- und Hauptschulen erteilte ich viele Jahre lang Unterricht in Bildender Kunst, auch in Fotografie. Zu einem zentralen beruflichen Tätigkeitsfeld wurde das Thema Gestaltung durch meine Tätigkeit als Bereichsleiter für Musisch-Ästhetische Erziehung am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Pforzheim. Diese Funktion veranlasste auch die Auseinandersetzung mit dem Computer als einem Gestaltungsmittel, das die Möglichkeiten der traditionellen Dunkelkammer weit übertrifft und die Bildbearbeitung entscheidend vereinfacht. So fanden Beruf und »Hobby« eine ideale Synthese.
 
Ausgangsmaterial

für meine Bilder sind überwiegend digitale Fotografien, aber auch analoge Fotos, die hoch aufgelöst digitalisiert werden.
 
Die Bearbeitung

im Computer beginnt mit dem, was auch im konventionellen Fotolabor gemacht wird: Ausarbeitung von Helligkeit, Kontrast, Farbstimmung, Ausschnitt, Korrektur einzelner Bildpartien usw. Viele Motive erreichen damit ihren Endzustand: Das sind die Fotografien.
 
Weitere Verarbeitung

führt dann zu den Fotografiken:
Das sind Kollagen bzw. Sandwich-Montagen, auf denen die Ursprungsfotos oft kaum noch oder gar nicht mehr zu erkennen sind. Was mich bei solchen Montagen besonders reizt, ist das Experiment mit der wechselseitigen Durchdringung selbstähnlicher Bildebenen.
 
Die Rolle des Computers

ist dabei die eines Werkzeugs – wie Pinsel, Farbe, Leinwand – und nicht die eines algorithmusgesteuerten Automaten, der mit Hilfe entsprechender Programme selbst Bilder generiert. Ich verwende gängige Bildbearbeitungsprogramme (Corel Photo Paint, Adobe Photoshop) die in ihrer Funktionalität so umfangreich sind, dass sie sich zu beinahe jedem Ergebnis "zwingen" lassen, das der eigenen Bildvorstellung entspricht und damit zu einem Medium freier Gestaltung werden.
 
Inhaltlich

interessieren mich zur Zeit vor allem die eher unscheinbaren Schönheiten und Strukturen der Natur und ihr Spannungspotential zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Kraft und Vergänglichkeit, weiterhin die für mich beängstigende Komplexität, Härte, aber auch »Einstürzbarkeit« urbaner und technischer Architektur – und im scheinbaren Gegensatz dazu die melancholische dörfliche Idylle.
 
BILDNERISCHES CREDO

Der Begriff Bildnerisches anstatt Künstlerisches Credo ist mit Bedacht gewählt. Was ich bildnerisch mache, dafür bin ich selbst zuständig, wirkmächtig und verantwortlich. Ob das dann Kunst ist, darf so nicht gefragt werden.
 
Kunstbegriff

Denn Kunst ist erstens ein Begriff, dessen Bedeutungsinhalte so vielfältig sind wie die Menschen, die sich an einer Definition versuchen. Die Frage dürfte also immer nur lauten: Kann dieses oder jenes Werk nach dem Kunstverständnis von XY als Kunstwerk betrachtet werden?
 
Zuschreibung

Die Bewertung eines Werkes als Kunst ist zweitens ein Akt emotionaler Wertentscheidung (für den die Neurobiologen inzwischen sogar bestimmte Gehirnregionen identifizieren können...), die im einzelnen Betrachter abläuft und damit völlig meinem Einfluss entzogen ist. Der Status Künstler wird jemandem also vom Betrachter aufgrund seiner Wertentscheidung zugesprochen. (Nach dieser Definition könnte es ein paar Leute geben, die mich für einen [Freizeit-] Künstler halten...) Dabei ist natürlich der Einzelne nicht unabhängig, sondern beeinflusst von seiner gesamten Biografie und seinem aktuellen Lebenskontext.
 
Markt

Wo sich viele Kunstbetrachter in der Bewertung einig sind, entwickelt sich möglicherweise für den Künstler ein Markt – dann ist der Begriff auch ökonomisch definiert. (Nach dieser Definition bin ich kein Künstler.)
 
Akademische Zertifizierung

Ist ein bildnerisch Schaffender durch die akademisch institutionalisierten Rituale von Ausbildung und Zertifizierung hindurchgegangen, bekommt er seinen Künstler-Status auch vom Staat zugesprochen. (Zu dieser Gruppe gehöre ich ebenfalls nicht.) Ein solches Zertifikat reicht jedoch nicht immer, um von einer größeren Menge von Rezipienten als Künstler wertgeschätzt zu werden. Dass die akademische und die öffentliche Wertschätzung nicht immer übereinstimmen, zeigt die Kunstgeschichte. Und es gibt Künstler, die sich der jeweils aktuellen akademischen Zertifizierung bewusst verweigert haben und (heute) trotzdem öffentliche Wertschätzung genießen.

 
Relativ

Ich bezweifle somit, dass Kunst etwas Absolutes, vom Betrachter unabhängig Wertvolles ist. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es überindividuelle anthropologische Strukturen gibt, die eine Verständigung über den Kunst-Wert eines Werkes auch epochenübergreifend wahrscheinlich machen. Und was davon ist »große« Kunst? Das, was über Epochen hinweg die (kunstsinnigen) Menschen immer wieder anrührt - unmittelbar emotional, nicht mit Hilfe einer (akademischen) Gebrauchsanweisung. (Nach dieser Definition bin ich ebenfalls kein Künstler.)
 
Gestaltung

Ob konventionelles Foto oder überwiegend freie Bildgestaltung – immer spielt die Suche nach einer farblichen und kompositorischen Ordnung eine entscheidende Rolle: visuell (oder sonstwie sinnlich) wahrnehmbare Objekte sollten nach meinem Verständnis von Kunst nicht allein durch ein intellektuelles (Deutungs-)Konzept zur »Kunst für den Kopf« erklärt werden müssen, sondern wenigstens auch dadurch, dass sie dem Auge und dem Empfinden einen gestaltungsbedingten Genuss anbieten – und wenn es stattdessen - einer beabsichtigten Verstörung wegen - Abscheu sein muss, sollte auch das Verstörende wenigstens gestaltet sein. (In diese Kategorie ordne ich mich ein - mit der sogenannten Konzept-Kunst habe ich deshalb mitunter Schwierigkeiten.) Eine Schaufel Sand in eine Raumecke zu werfen und den Haufen als Raumschiff, als Paradiesvogel oder als sonst was zu bezeichnen, mag vielleicht witzig sein, aber der Witz ist für mich nur dann ein Kunstwerk, wenn er auch in gewisser Weise "kunstvoll" ist, d.h. wenn man an ihm Gestaltungswillen und Gestaltungskompetenz erkennt...
 
Psychologisch gesehen

 

Künstlerbiografien zeigen regelmäßig den inneren Drang zum bildnerischen Ausdruck, dem der Betreffende geradezu schicksalhaft ausgeliefert ist. Davon hatte ich für ein professionelles Künstlerdasein zu wenig - aber zuweilen muss mich meine Frau schon mit harten Bandagen vom Arbeitsplatz zerren...

 
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